Spatz und Spätzin

August Schulz

Auf dem Dache sitzt der Spatz,

Und die Spätzin sitzt daneben,

Und er spricht zu seinem Schatz:

"Küsse mich, mein holdes Leben!

Bald nun wird der Kirschbaum blühn;

Frühlingszeit ist so vergnüglich;

Ach wie lieb' ich junges Grün

Und die Erbsen ganz vorzüglich!"

Spricht die Spätzin: "Teurer Mann,

Denken wir der neuen Pflichten,

Fangen wir noch heute an,

Uns ein Nestchen einzurichten!"

Spricht der Spatz: "Das Nesterbau'n,

Eierbrüten, Junge-Füttern

Und dem Mann den Kopf zu kraun --

Liegt den Weibchen ob und Müttern."

Spricht die Spätzin: "[Du Barbar!

Soll ich] bei der Arbeit schwitzen,

Und du willst nur immerdar

Zwitschern und herumstipitzen?"

Spricht der Spatz: "Ich will dich hier

Mit zwei Worten kurz berichten:

Für den Spatz ist das Pläsier,

Für die Spätzin sind die Pflichten!"