Das Lied vom Grafen O'Donnell
B. Kéler
Der Kaiser und sein Adjutant
sind in Erherzog Carls Palast;
ein dunkler Drang den Graf erfasst,
er spricht: „Herr, schlecht sitzt der Verband!“
Und was er sagt, das tut auch schnell
Graf O'Donnell.
Er dachte zitternd: Wenn den Stahl,
der meines Kaisers Hals geritzt,
der Meuchler gar mit Gift bespritzt!
Das wühlt in ihm mit Höllenqual,
das hat es vor dem Kaiser hehl
Graf O'Donnell.
Er tritt zum Herrn entschlossen fest,
die Wunde saugt er aus zum Grund
und reinigt sie mit eig'nem Mund;
ungern der Fürst gescheh'n es lässt.
Nich Fabel ist, was ich erzähl'
vom O'Donnell.
Doch überhört das Weit're nicht:
„Wenn ich zu Bette müsste ruh'n
jetzt, wo im Land so viel zu tun,
das wäre schlimm,“ Franz Joseph spricht.
„Nach Haus!“ gibt er darauf Befehl,
mit O'Donnell.
Den Kaiser seh' ich staunend an.
Wer sagt mir, wenn er größer ist?
Als Held, als Sohn, als frommer Christ?
Wenn so der Jüngling, wie der Mann?
Der Retter hoch aus voller Seel,
Graf O'Donnell!