Am Scheideabende
B. Randhartinger
Lauer Maienluft Geflister
Weckt die Blumen auf vom Tod',
Und die Wolken grau und düster
Werden Gold im Morgenrot.
Sieh! so bin auch ich genesen,
Seit du nah' und freundlich mir.
Gutes, frommes, holdes Wesen!
O wie wohl ist mir bei dir!
Ach! nicht mit so süßen Blicken,
Liebe Seele, schau' mich an,
Lasse ab mich zu umstricken;
Weit von dir schweift meine Bahn.
Doch, und müsst' ich ferne, ferne,
Unerreichbar ferne dir,
Ferne, wie vom bleichsten Sterne;
Will dich lieben für und für.
Unberührt vom Sturm der Erde
Grünt ja noch ein friedlich Land,
Wo ich wieder haben werde,
Was so flüchtig hier entschwand.
Doch wer wird den Pfad mir künden?
Ach! ihn wissen Engel nur,
Drum nach jenes Edens Gründen
Laß mich geh'n auf deiner Spur.
Weile, weile, schöner Glaube!
Hebe über Zeit und Schmerz
Aus dem tränenfeuchten Staube
Meine Blicke himmelwärts.
Fühlend ahn' ich, was du rufest,
Ja, einst einigt' jene Flur,
Was du für einander schufest
Süße, heilige Natur!