Andreas Hofer

B. Randhartinger

Wer ist der fromme Held, bewährt

durch Treu' und kühnes Wagen,

den noch im Grab des Kaisers Schwert

zum Ritter hat geschlagen?

Der Hoder ist's, der Mann von Stahl,

der Sandwirt vom Passeiertal.

Hoch oben im Tirolerland,

wo sich die Gletscher türmen,

ruft er, die Büchse in der Hand:

„Lasst nur die Feinde stürmen!

Auf! für den Kaiser, auf! für Tirol,

ihr Weib' und Kinder, lebet wohl!“

Und um ihn reiht sich eine Schar

von treuen Streitgenossen,

die oft im Kampf für Österreichs Aar

nach manchem Ziel geschossen.

Auf! für den Kaiser, Mann für Mann;

Andreas Hofer führt euch an.

Doch ach! was nützt die kühne Tat,

wenn Macht und Arglist siegen;

dem schnöden Truge, dem Verrat

muss selbst die Kraft erliegen.

In Fesseln schmachtend ruft der Held:

„Weh, Österreich, weh! Deine Vorburg fällt.

In Welschlands reich geschmückten Gau'n,

wo milde Lüfte wehen,

wo fromme Sitte und Vertrau'n

und Heldenkraft vergehen,

liegt stolz und finster drohend da

die alte Feste Mantua.

Auf ihren Wällen thront der Tod,

der Franken Waffen blitzen;

hell funkeln durch das Morgenrot

der Bajonette Spitzen,

und mancher Mund still klagend spricht:

Der Hofer steht am Hochgericht.

Der Frankenführer spricht im Hohn:

„Nichts half dein keckes Wagen;

Napoleon bietet dir Pardon,

willst du für ihn dich schlagen?“

„Nein, nicht für einer Krone Glanz!

Ich bleibe treu dem Kaiser Franz.“

Den letzten Blick zu Gott gewandt,

der Sandwirt betet leise:

„Gott! Schütze mein Tirolerland!“

Stille wird's im weiten Kreise.

Der Führer winkt, die Salve kracht -

den Helden decket Todesnacht.