Dein Auge

B. Randhartinger

Dein Aug', der Seele holder Spiegel,

des Herzens unerbrochen Siegel,

zieht unvermerkt zur Sehnsucht hin.

Man höret der Sirenen Sänge,

der Sphären wundersame Klänge,

und schwelgt in Himmelsmelodie'n!

Dein Blick will jene Träume zeigen,

wo Engel auf- und niedersteigen

und des Entzückens Gaben weih'n!

D'rin schlummert auch der Tränen Wonne

wie hinterm Hochgebirg' die Sonne,

um neuer Reize Pracht zu streu'n!

Noch sind die Kelche nicht erschlossen,

die Quellen alle nicht entsprossen,

die d'rin in Lieb' und Anmut glüh'n!

Man fühlt nur süße Weste wehen,

die Stürm' verbrausen im Entstehen,

dein Leben ist nur Lenzesblüh'n!

O holdes Aug', o sel'ger Blick!

Entfalte deines Himmels Glück,

lass strahlen deiner Anmut Kränze,

wohl mehr beglückend als beglückt,

wohl mehr entzückend als entzückt,

verklär' die Welt zum ew'gen Lenze!