Der gefangene Gondolier
B. Randhartinger
Zur teuren Heimat, zu der fernen,
zieht mich der Sehnsucht Zauberband;
mit allen Wolken, allen Sternen
grüß' ich mein teures Vaterland!
Venetia, du mein Entzücken,
du ernste, holde Meeresbraut,
auf die mit heißen Liebesblicken
der Bräutigam verlangend schaut;
Venedig, wo von hundert Brücken
der Zauber leiser Märchen grüßt,
wo Gondeln sich mit Flammen schmücken,
wenn sanft der Tag sein Auge schließt.
Venedig, wo Gitarren klingen,
wenn Nachen durch die Wellen zieh'n,
wo Schiffer Tassos Liebe singen,
wo heller alle Sterne glüh'n,
wo Reben sich um Marmor schlingen,
wo ernst der Mond die Fäden webt,
wenn auf des Zephirs sanften Schwingen
der Abendglocken Segen bebt.
Lebt wohl, ihr Wolken licht und trübe,
erzählt den Brüdern meine Schmach
und grüßt sie, sie, die ich liebe,
die treulos ihre Schwüre brach!