Der Löwe von Aspern

B. Randhartinger

Bei Aspern ist ein Löwe,

ein Löwe fest von Stein;

er rührt nicht Glied noch Pranken,

man sieht ihn nimmer wanken,

er drückt die Augen ein.

Doch nachts beim Sternenschimmer

erhebet sich der Leu,

er streckt die ries'gen Glieder,

er steigt vom Sockel nieder,

die Augen flammen neu!

Er schreitet auf die Felder,

er schreitet an den Strom,

er lenket seine Pfade

bis hin an Wiens Gestade,

bis an den Riesendom!

Dort ruht das edle Herze

vom Helden Karl so wert,

dem gibt er sich're Kunde,

ob Friede in der Runde,

ob not sein gutes Schwert.

Und wenn das Land gefährdet,

dan brüllt der Riesenleu;

die alten toten Streiter,

die alten toten Reiter

kommen mit Karl herbei.

Sie fliegen vor den Fahnen,

sie ziehen mit dem Heer;

die Feinde fasst ein Zagen,

sie sinken hin geschlagen,

erheben sich nicht mehr.

O seht, ihr fremden Dräuer,

bei Aspern an den Leu;

der lieget nur im Schlummer,

sein Tod mach' niemand Kummer,

der hebt sich groß und frei!

Der stehet auf und schlaget

in Trümmer Trug und List.

Die Lanz' in seiner Flanke

nur stachelnder Gedanke

zu großen Taten ist.