Der Schreiner
B. Randhartinger
Beim Schreiner, dem hartherz'gen Mann,
da pocht es spät des Abends an,
und einen Sarg begehrt ein Weib
für ihres Mannes toten Leib.
Der aber ließ vergebens fleh'n,
das bleiche Weib am Tore steh'n;
sie war ja arm, der Mann war tot,
und wo kein Glück, ist nichts als Not.
Drob schrie das Weib: „Du liebe Zeit!
Nimm für den Sarg das letzte Kleid!“
Der Meister aber höhnt und lacht:
„Das Kleid ist nicht für mich gemacht,
den Sarg dort sieh, der passt genau
für jeden Mann, für jede Frau.
Geh heim, geh heim, der Weg ist weit;
lass mir den Sarg, behalt' dein Kleid!“
„Wohl,“ schrie das Weib, „er bleibe dein,
leg dich, du Herz von Stein, hinein!“
Doch horch! am dritten Tag nach heut',
da hört das Weib ein fern' Geläut;
sechs Männer trugen jenen Sarg,
der seines Meisters Leiche barg.