Der Troubadour und seine Dame

B. Randhartinger

Der Troubadour:

Sei mir begrüßt in deiner Pracht,

erhab'ne, sternbesäte Nacht!

Dein tauendes Gefieder

umfächelt kühlend diese Brust

voll Liebesweh' und Liebeslust

und wecket meine Lieder.

Begleite, holde Nachtigall

im Buchenhain am Wasserfall

mein Lied von süßen Leiden;

o hätte sie ein fühlend Herz

für Liebeslust und Liebesschmerz,

wohl lauschte sie uns beiden.

Die Dame (am Erker):

Willkommen, Mond! Ein Silberschwan

durchgleitest du die Ätherbahn

im Funkenmeer dort oben.

Wie zauberisch dein Dämmerlicht

durch sanftbewegte Schleier bricht,

aus Dünsten zart gewoben.

Doch - täuschet mich der Widerhall?

Wer lehrte meine Nachtigall

in Doppeltönen schlagen?

O du, der Sehnsucht Sängerin,

wohl fühl' ich deiner Töne Sinn,

nur musst es ihm nicht sagen.

Der Troubadour:

Ein Seraphlaut berührt mein Ohr,

enthebt dem Staube mich, empor

zu Paradieses Wonnen!

Und mit der Hoffnung Rosenschein,

da zieht ins Herz ein Himmel ein

mit allen seinen Sonnen.

Ihr Wolken mögt nun immerhin

den lieben Mond mit Nacht umzieh'n,

ihr Sterne möget dunkeln;

dem treuen Sänger wird fortan

auf seines Lebens neuer Bahn

ein Stern im Busen funkeln.

Beide vereint:

Schon bleicht des Sternenhimmels Pracht,

nicht länger birgt die stille Nacht

mit schützendem Gefieder

der reinsten Minne Engelslust,

die Seligkeit in uns'rer Brust,

gehaucht in zarte Lieder.

So lebe wohl, du Nachtigall

vertraute dort am Wasserfall!

Dein Sang von süßen Leiden,

er fand ein innig fühlend Herz

für Liebeslust und Liebesschmerz;

leb wohl, wir müssen scheiden!