Die Nonne

B. Randhartinger

Die Nonne ging im Garten

wohl auf und ab den Gang,

wollt' ihrer Blümlein warten,

da tönt von draußen Sang:

„O Liebe, du Lebenssonne,

o goldig süßer Schein,

du strahlest Himmelswonne

ins dunkle Herz hinein.

O Liebe, du kannst geben

der Wüste Duft und Pracht,

die Liebe ist lichtes Leben,

und ohne Liebe ist Nacht.“

Die Worte, sie verklangen,

bleich steht die Gärtnerin,

und, Tränen auf den Wangen,

starrt sie ins Weite hin.