Die Totenuhr

B. Randhartinger

"Mutter, mutter! hörst du nicht,

Was da hämmert, was da bricht?"

""Schlaf, mein Kind! ein Würmchen gräbt

Einsam, das im Holze lebt."" --

"Mutter! warum gräbt und wacht

Denn das Würmchen in der Nacht?"

""Großahn sagte, weil es mißt

Uns'res Lebens kurze Frist.""

"Mutter, Mutter! sag' mir nur,

Das ist wohl die Todtenuhr?"

""Schweig, mein Kind, schlaf ruhig ein,

Laß das eitle Fragen sein.""

"Mutter -- Mutter!" ächzt das Kind,

"Hörst du wohl den bösen Wind?"

""Ja mein Kind... komm näher her,""

Sprach die Mutter ahnungsschwer. --

Immer wilder braust der Sturm,

Immer schneller pickt der Wurm,

Immer fester hält das Weib,

Zitternd ihres Kindes Leib.

Horch! da kracht's... [der Hütte Dach

Wankt... es] stürzt die Mauer nach,

Und begräbt in Schutt und Stein

Mutter und das Töchterlein. --

Seitdem schweigt die Todtenuhr --

Und es zirpt ein Heimchen nur

An des Doppelgrabes Rand,

Wo der Armen Hütte stand.