Die Tränen
B. Randhartinger
„Du schöne Rose, kaum dem Tag entsprossen,
wie hold erscheinst du mir im Morgenlicht!
Doch wie? Dein sanft errötend Angesicht
ist ganz mit Tränen übergossen!
Warum bewegst du deine zarten Sprossen?
Streckst du nach Hilfe mir die Arme nicht?
Wohlan! Bald streif' ich dir vom Angesicht
den kalten Tau, der Tränen gleich geflossen.“
Und wild bewegt er ihre zarten Blätter;
da sank das Haupt, das schöne, vor dem Retter.
Gebrochen war ihr Leben und ihr Schmerz.
So ihr, die ihr mit rauhen, kalten Händen
den Schmerz der Gramgebeugten sucht zu enden:
Die Träne trocknet - doch es bricht das Herz.