Lied aus der Erzählung „Der Corsar”

B. Randhartinger

Einsam und dem Licht verborgen

wohnet tief in meiner Brust

meiner Liebe zart Geheimnis,

ach, mein Schmerz und meine Lust!

Nur im seligen Umfangen,

wenn mein Herz an deinem schwillt,

wagt es sich hervor, und zitternd

wird's in Schweigen schnell verhüllt.

Dort in meiner Seele Tiefen

brennt, um niemals zu vergeh'n,

eine Flamme, ewig dauernd,

aber ewig ungeseh'n.

Nicht des Kummers tiefe Schatten,

der Verzweiflung Dunkel nicht

löschen dieser stillen Gluten

schwaches, aber heil'ges Licht.

O bewahre mein Gedächtnis!

Geh nicht kalt mein Grab vorbei!

Denke deren, die dort schlummert,

ihrer Liebe, ihrer Treu'!

Viele Schmerzen kann ich tragen,

einem nur erliegt mein Geist:

Dass du mich vergessen könntest,

dass dein Herz sich von mir reißt!

Höre, was so still und innig

meine letzte Klage spricht!

Ach, die Trauer um die Toten

tadelt selbst die Tugend nicht.

Gib für meine heiße Liebe -

wenig fordr' ich nur von dir -

gib die erste, letzte Gabe,

eine einz'ge Träne mir!