Mitternacht auf den Lagunen

B. Randhartinger

Von Sankt Markus öden Räumen

schwankt mein Kahn hinaus ins Meer;

wie versenkt in tiefes Träumen

liegt Venedig um mich her.

Finster blicken die Paläste

in die Wogen grünlich-grau,

doch der schmeichelndste der Weste

spielt um den verlass'nen Bau.

Und die Ruderschläge dröhnen,

und die Barke fliegt vom Strand,

die bei leisen Liedertönen

rüstig lenkt des Führers Hand.

Und die Wogen rauschen, schwellen,

und der Mond steht voll und rein,

und die Herrscherin der Wellen

scheint ein ries'ger Leichenstein.

Da, erfasst von stiller Trauer,

seh'n der Gondolier und ich

mit der Wehmut leisem Schauer,

alte Dogenstadt, auf dich.

Denn, umbraust vom Flutgetose,

wie erstarrt im tiefsten Schmerz

liegst du da im Meeresschoße,

einsam, ein versteinert Herz.