O weißt du, wie's die Blume macht
B. Randhartinger
O weißt du, wie's die Blume macht,
Wenn sie erwacht
Vom süßen Traum in kühler Nacht? --
Sobald des Morgens erstes Licht
Grüngolden durch die Blätter bricht,
Schlägt sie die Augen auf sogleich,
Noch tränenreich,
Und schaut mit freudenvollem Sinn
Hin nach des Tages Königin.
Doch weißt du, wie's der Blume geht,
Wie sie verweht,
Wenn traurig sie im Dunkeln steht,
Und droben an der Himmelsbahn
Die Sonne nimmer schauen kann?
Matt senkt ihr Antlitz sie herab
Und welket ab,
Und -- o des Leids! -- in kurzer Frist
Verwelkt sie und gestorben ist. --
So schau' auch ich, wenn ich erwacht
Vom Traum der Nacht,
Drin selig ich an dich gedacht,
Nach dir, nach dir, mein Lieb', gleich hin,
Du meines Herzens Königin!
Und schau' ich einst dich nimmermehr,
Ob rings umher
Mein thränend Auge nach dir späht,
Ist auch mein Leben bald verweht.