Perfidie

B. Randhartinger

Was mir die Welt auch Böses tut,

vergessen sei es und vergeben;

ich denke mir: Vielleicht ist's gut,

dass sich aus Schmerz ringt neues Leben.

Das Eine nur vergess' ich nie,

das Eine nur vergeb' ich nie:

die Perfidie!

Das falsche, frost'ge Schlangengift,

das Heilkraft noch und Lind'rung heuchelt,

die Mörderhand, die rückwärts trifft,

nachdem sie erst uns sanft gestreichelt;

o siebenmal veracht' ich sie,

o siebenmal verfluch' ich sie,

die Perfidie!

Der Feind im starken, off'nen Streit,

er stelle sich und sei willkommen;

dann Zahn um Zahn - dann sei geweiht

dem Hass die Kraft, dem Hass entglommen,

denn auch im Hass ist Poesie,

doch bleibe fern nur sie, nur sie:

die Perfidie!

Die Perfidie hat stets ins Buch

des Lebens mir mit Blut geschrieben,

die Perfidie schafft Schmerz und Fluch

selbst aus der Mutter reinem Lieben.

D'rum in den tiefsten Abgrund zieh,

d'rum in die schwarze Hölle flieh,

o Perfidie!