Sängers Liebchen

B. Randhartinger

Ich hab' ein Liebchen jung und schön,

Und Liebchen ist mir hold,

Und meiner Liebe zartes Flehn

Lohnt süßer Minnesold.

Wenn banger Schmerz und Sorg' mich quält,

Zieh ich mein Liebchen an die Brust;

Vom ihrem Frühlingshauch beseelt,

Ergreift mich stille Lust.

Und ihrer Stimme Zauberklang

Löst meines Kummers Band,

Und horch! da tönt's wie Sphärensang

Aus einem bessern Land!

Ihr aus den Busen dringen Töne

Und warden in Accorden laut,

Und alles Hohe, Reine, Schöne

Strömt aus des Sängers Braut.

Bezwungen von der Töne Macht

Lausch' ich dem Harmonienfluß,

Und neu ein Leben mir erwacht

In der Gefühle reinem Guß.

Tief in dem Busen hallt mir's wieder,

Was süß aus Liebchens Brust erschallt,

Und hin in's Morgenland der Lieder

Zieht's mich mit heiliger Gewalt.

Da warden süße Töne wach,

Die ungeahnt in mir geruht,

Sie strömen, ein melod'scher Bach,

Hervor auf des Gesanges Flut.

Und länger kann ich's nicht mehr tragen,

Von Thränen wird mein Auge feucht;

D'rum will ich's meinem Liebchen klagen,

Wie Liebe mir die Wangen bleicht.