See und Sternlein
B. Randhartinger
In der allerbängsten Stunde,
Wenn ich von dir ferne bin,
Malt' auf meiner Seele Grunde
Ich so gern dein Bildnis hin.
Möcht' in seligem Genüge
Blicken auf dein Augenpaar,
Deine liebe, lieben Züge
Möcht' ich schauen scharf und klar.
Doch in Wehen, doch in Wonnen
Wogt das Herz so stürmisch laut,
Und dein Bildnis ist zerronnen,
Eh's mein Auge hat erschaut.
Wie ein Sternlein, das da winket
Von der Höh' mit sanfter Glut,
Helle dir entgegenblinket
Aus des Sees klarer Fluth, --
Alsobald muss es verglimmen,
Wenn die Welle woget auf,
Und sein Bildnis muss verschwimmen
In der Wogen wildem Lauf.
Doch am Himmel hoch, dem klaren,
Bleibt das Sternlein immer stehn,
Wird nach tausend, tausend Jahren
In des Sees Fluten sehn.