Träumen

B. Randhartinger

Wenn ich Herr der Träume wär',

Liebchen, glaube mir,

jede Nacht, so wahr ich bin,

träumte ich von dir.

O, im Traume lebt sich's schön,

keine Schranke wehrt,

wie da außen auf der Welt,

was das Herz begehrt!

Führte auch der Vater dich

fort in fernes Land,

über Meere reichte ich

dir die treue Hand.

Schlösse dich ein Felsenturm,

eine Zelle ein,

käm' ich wie die leichte Luft,

flög' zu dir hinein.

Aus des Königs Garten selbst

brächt' ich Blumen dir,

Küsse gäb' dein lieber Mund

ungestraft dafür.

Kein Verbot erkennt der Traum,

jenen kurzen Wahn,

der uns blüht in seinem Reich,

feindet er nicht an.

Keine Reue trübt die Tat,

die man träumend tut,

denn der nächste Morgen macht

alles wieder gut.