Waldvögelein
B. Randhartinger
Das Vöglein hat ein schönes Los,
Wenn's in des grünen Waldes Schoß,
Im weichen Neste noch versteckt,
Glückselig seine Flüglein reckt,
Wenn, eh's noch selber flattern kann,
Ihm früh und spät aus Ried und Tann
Das Mütterlein sein Würmlein bringt
Und ihm zum Schlaf ihr Liedlein singt.
Das Vöglein hat ein schönes Los,
Wenn's Gott vertrauend, sorgenlos,
Nun keck im Frühlingssonnenstrahl
Die Schwingen probt zum ersten Mal,
Zu singen anhebt wie im Traum,
Und neckisch hüpft von Baum zu Baum,
Wenn's immer höher dann sich hebt,
Und in den blauen Lüften schwebt.
Das Vöglein hat ein schönes Los,
Auf neue Lieder sinnt's nun bloß;
O horch, wie's jubelnd aus der Brust
Ausschmettert all die Wonn' und Lust,
Die in der grünen Zaubernacht
Im jungen Herzen ihm erwacht,
Und wie's die erste süße Qual
Im Busche klagt dem Mondenstrahl!
Das Vöglein hat ein schönes Los,
Wenn's bald nun Laub und Halm und Moos
Zum eig'nen Neste trägt herzu,
Nach allem Sehnen findet Ruh';
Viel froher noch sein Lied erschallt
Nun früh und spät im grünen Wald,
Und and're lust'ge Vögel auch
Ihm Ständchen bringen aus dem Strauch.
Das Vöglein hat ein schönes Los,
Wohin's nur will, fliegt's kummerlos.
Husch, wandert's durch die Lüfte fort
Mit seinem Lied von Ort zu Ort!
Dort überfliegt's den wilden Strom
Und dort umkreist's den schlanken Dom.
Du glücklich Vöglein! Was ich bitt':
Halt' an, halt' an und nimm mich mit!