Wand'rers Stern
B. Randhartinger
Einsam wandr' ich durch das Leben,
seh' der Erde buntes Spiel
schattengleich vorüberschweben,
ewig unerreicht das Ziel.
Alle Träume sind entschwunden,
die den Geist mit Trug umwunden.
Mahnend tönt's ans kranke Herz:
Kurz ist die Freude, lang' ist der Schmerz.
Meine Wünsche sind gestorben,
meine Hoffnung ist verglüht;
was dem Leben ich erworben,
hat dem Tode stets geblüht.
Nur ein Licht erglänzt hienieden
meiner Ruhe, meinem Frieden:
der Erinn'rung milder Stern,
mir so nah' und doch so fern!
Meiner Jugend frohe Tänze
sah ich schnell vorüberflieh'n;
mit der Tage gold'nem Lenze
muss die Rose still verblüh'n.
Doch es strahlt mit zartem Flimmer
der Erinn'rung Abendschimmer,
und in ihm erglänzt so mild
meines Glücks entfloh'nes Bild.
Süßer Stern aus lichten Höhen,
winkst du hell dem Wand'rer zu,
hauchest still mit leisem Wehen
in die Brust mir Gottesruh'.
Einst, wenn auch dein Strahl verglommen,
wird der letzte Tröster kommen;
dann bricht dieses treue Herz
seiner Liebe, seinem Schmerz.