Bei ihr

B. Scholz

Wenn ich durch die Gassen gehe,

liebeskrank und liebesmatt,

sehn' ich mich mit leisem Wehe

aus der vollen, lauten Stadt;

aus dem städtischen Gewühle,

aus des heißen Tages Staub,

nach der abendlichen Kühle

unterm frischen Eichenlaub!

Freunde grüß' ich ohne Worte,

wie ein Fremder zieh' ich hin;

nach des grauen Thores Pforte

streben Seele, Herz und Sinn:

Bis die süße Stunde endlich

hoch von allen Thürmen klingt,

die mich täglich unabwendlich

auf die grüne Wiese zwingt;

Auf die Wiese, die im Winter

wie im Sommer Wonn' umweht,

denn sie führt zum Wäldchen, hinter

dem ihr kleines Häuschen steht.

Seufzer, Sehnen, Qualen, Sorgen

laß' ich eilend hinter mir,

flieh' gen Abend, doch nach Morgen,

denn mein Osten ist bei ihr!