O Erde, du gedrängtes Meer

B. Scholz

O Erde, du gedrängtes Meer

Unzähliger Gräberwogen,

Wie viele Schifflein kummerschwer

Hast du hinuntergezogen,

Hinab in die wellige grünende Flut,

Die reglos starrt und doch nie ruht.

Ich sah einen Nachen von Tannenholz,

Sechs Bretter vor Blumen umwunden,

Drin lag eine Schifferin bleich und stolz,

Sie ist versunken, verschwunden!

Die Leichte fuhr so tief hinein,

Und oben blieb der schwere Stein!

Ich wandle wie Christ auf den Wellen frei,

Als die zagenden Jünger ihn riefen;

Ich senke mein Herz wie des Lootzen Blei

Hinab in die schweigenden Tiefen;

Ein schmales Gitter von seinem Gebein,

Das liegt dort unten und schließt es ein.

Die Trauerweide umhüllt mich dicht,

Rings fließt ihr Haar auf's Gelände,

Verstrickt mir die Füße mit Kettengewicht

Und bindet mir Arme und Hände:

Das ist jene Weide von Eis und Glas,

Hier steht sie und würgt mich im grünen Gras.