Liebesfrühling
Smetana, Bedřich
Dieses Saitenspiel der Brust
Das du hast so reich besaitet,
Fassen lehre mich die Lust,
Himmel! Daß du's mir bereitet.
Diese Seele, rein gestimmt,
Himmelsnachhall in den Tiefen;
Jeder leise Ton verschwimmt,
Alsob Engel Engel riesen.
Freilich ist das ein Gesang,
Aber keiner durch die Kehle,
Sondern Liebesüberschwang
Aus dem Himmel, aus der Seele.
Diesem schweigenden Gesang
Müssen Mienen und Geberden,
Blicke, Lächeln, Worte, Sang,
Dienend lauter Töne werden.
Wach, o feuchter Hauch der Welt,
Diese Saiten nie erschlaffen!
Doch die Seele, die sie schwellt,
Hat auch kraft, sie neu zu straffen!
Ja du bist so hell gestimmt,
Wie des Abendsternes Laute,
Dem vorbei die Wolke schwimmt,
Wie der Gram an dir zerthaute.
Diese Harfe Gottes, die
Dieß mein Herz mit sich versöhnet,
Ihm mit ew'ger Melodie
Liebe, Liebe, Liebe tönet!
Dieses Psalter, das allein
Vorbild sei für Freimunds Leier,
Alle Welt zu laden ein
Zu der ew'gen Liebesfeier!
Himmel! Gib mir das zum Lohn,
Daß mein Lieben, daß mein Singen
Nie müss'einen falschen Ton
In die reinen Saiten bringen.