Ihr Stolzen Sternchen braucht mich nicht
B. von Brukenthal
Ihr stolzen Sternlein braucht mich nicht
So schelmisch blinzelnd anzusehn!
Ich neid' euch nicht um euer Licht,
Und laß euch gern am Himmel stehn.
Hab' selber ja im Herzensgrund
So junger Liebe Sterne glühn;
Die brauchen nicht zur Morgenstund'
Wie bleiche Röslein zu verblühn.
Und brauchen nicht der Vesper Schlag,
Der sie vom Schlaf erst auferweckt;
Die meinen bleiben Nacht und Tag
Von lichten Äuglein angesteckt.
Und immer ist ihr Himmel rein,
Kein Wölkchen trübet seine Höhn --
Wer muß von uns nun neidig sein?
Ihr stolzen Sternlein, sagt mir's schön! --
Doch seid nur gut, und zürnt mir nicht,
'S ist nicht so bös von mir gemeint!
Ich weiß ja doch, daß euer Licht
Noch hundert Jahr' mein Grab bescheint.
Und weiß, daß meiner Sterne Gluth
Nicht heilig ist, wie eure Pracht;
Will drum auch ganz ohn' Übermuth
Euch betend anschau'n jede Nacht.