Die verlassene Braut

C. Banck

Am Boden winden sich die Ranken,

Weil auf kein Baum sie nahm;

So winden mir sich die Gedanken

Fern ist mein Bräutigam.

Wer ist bei mir? ich bin allein;

Wer sollte bei mir sein?

Ich bin allein mit meinem Gram.

Um einen Grabstein weben Ranken

Ein trauriges Geschmeid;

Mir weben traurige Gedanken

An einem Hochzeitkleid.

Wer ist bei mir? ich bin allein,

Allein mit meiner Pein,

Mit meinem Kummer, meinem Leid.

Von Seide sind gewebt die Decken,

Die Kissen goldgestickt;

Auf ihnen seh' ich nicht sich strecken

Ihn, dem sie sind beschickt.

Wer ist bei mir? ich bin allein,

Ich und des Mondes Schein,

Der traurig in die Kammer blickt.

Nach Winternächten, Sommertagen,

Nach manchem langen Jahr,

Wird man zuletzt zusammen tragen

Ins Grab uns als ein Paar.

Wer ist bei mir? ich bin allein;

Mit dir will ich zu zwein

Dort sein auf lang, auf immerdar.