Liebe ohne Stand
C. Banck
"Wohl über den Rhein will ich schwingen,
dort wohnt mein süßes Lieb,
über Berg und Tal soll's klingen,
schier über die Haide:
O komm, mein süßes Lieb!"
Sie kosten still geborgen
die liebe lange Nacht,
aber schimmernd kommt der Morgen
schier über die Haide,
der frühe Tag erwacht.
"Ach Scheiden, quälst so bitter!"
er sprach im trüben Mut,
"glaubest wohl, dich freit ein Ritter
schier über die Haide?
Bin nur ein armes Blut."
Man soll den Nachtigall'n binden
die losen Flügel nun,
dass sie, ach, nicht weiter künden
schier über die Haide,
was zwei süß Liebende tun.
Mögt uns in Fesseln schlagen,
das Herz bleibt immer gesund;
werden nachts nun ewig klagen
schier über die Haide,
von zwei süß Liebchen todwund!