Sie sehnt sich

C. Banck

Die See ist voller Wasser,

Das Herz ist voller Blut,

Kommt der Mond an den Himmel,

So steigt und fällt die Fluth.

Und seh' ich ihn von Weitem,

So steigt mir auf mein Blut!

So steigt die See, so fällt sie,

So kommt und geht die Fluth.

Dort oben zieh'n die Wolken,

Dort unten rollt die See,

Die Welt ist groß und einsam,

Mein Herz ist klein, thut weh.

Ob hell die Sonne leuchtet,

Ob grün und schön das Land! --

Ich seh' nur grau und düster

Den Nebel auf dem Strand.

Die Sonne sinkt in's Wasser,

Der Storch kommt aus dem Ried.

Die See ist noch im Wogen

Und singt ein Abendlied.

Mir sind die Augen schläfrig

Und alle Glieder müd',

Mein Herz ist noch im Wogen

Und weint ein Abendlied.

Wie's dort im Wasser plätschert,

Das ist der wilde Schwan --

Was hat er noch zu rufen

Über die glatte Bahn?

Dort seh', mit fernem Blinken,

Den stillen Kahn ich geh'n;

Wer weiß, ob nicht vom Ufer,

Sie weinend nach ihm seh'n!

Auch ich möcht' schwimmen, segeln,

So ruhig wie der Schwan,

Oder über den Wolken

Zum stillen Mond hinan.

Den Storch könnt' ich beneiden,

Der still zu Hause zieht;

Ich steh' und hör' am Wasser

Der Wogen Trauerlied.