Vergänglichkeit
C. Banck
Ich steh' in Angst und Pein
Und weiß nicht aus, nicht ein,
Der Sinne Kraft sind nieder,
Mein Herz will mir zergehn,
Die Zunge bleibet stehn,
Mir starren alle Glieder,
So oft als die Gewalt
Der Stimm' in mir erschallt:
Ihr Todten in der Erden,
Steht auf und säumt euch nicht,
Kommt vor das Halsgericht,
So jetzt gehegt soll werden!
Ach Gott, kein harter Schlag
Des rauhen Wetters mag
Die Felsen so erschüttern,
Als dieser Thron mein Herz;
Und wär' ich Stahl und Erz,
Müßt ich hiefür erzittern.
Ich eß', ich wach', und ruh',
Ich thu' auch was ich thu',
Sei wo ich will zu spüren:
So müßen fort und fort
Mir diese Donnerwort'
Herz, Geist und Seele rühren.
Denn werd' ich nicht gewahr,
Wie in so großer Schar
Die Menschen stets verbleichen?
Den raffet Pest, den Glut,
Den schickt die wilde Flut
Hinunter zu den Leichen.
Die Reih' kommt auch an mich;
Das Ende fördert sich,
Das Keinen kann begnaden;
Der Tod ist vor der Thür
Und klopfet an bei mir,
Mich schon dorthin zu laden.
Wen steh' ich doch nun an?
Wer ist, der helfen kann?
Wer wird das Wort mir sprechen?
Hier hilft nicht Gut, nicht Geld;
Der den Gerichtstag hält,
Läßt ganz sich nicht bestechen;
Hat nicht auf der Purpur Acht,
Nicht auf der Kronen Pracht
Noch auf Gewalt und Titel,
Begehrt nicht zu verstehn,
Daß die in Seide gehn
Und die im groben Rittel.
Ach komm, Herr Jesu Christ,
Komm! Dieses einig ist,
Warum der Mensch geboren.
Komm, mache durch dein Blut
Die Böse Sache gut;
Sonst bin ich ganz verloren!
Komm, führe du mein Wort
Und laß mich, o mein Hort,
Den Spruch der Gnaden hören!
Ich will auch jederzeit
Jetzt und in Ewigkeit
Dich, meinen Fürsprach, ehren.