Frühlingswehen

R. Becker

Es ist kein Blümlein so verborgen,

Sein Kelch so aufscheinbar und klein.

Es fällt in stillen Frühlingsnächten

Ein Tröpflein Honig doch hinein.

Es wacht kein Vöglein auf am Morgen,

So eingeschüchtert und verzagt,

Das nicht beim ersten Frühlingswehen

Ein kleines Lied zu singen magt.

Es ist kein Herz so voll von Sorgen,

So voll von Leid und bitt'rer Qual:

Ein Balsam fließt in seine Wunden

Beim ersten Frühlingssonnenstrahl!