Herbstsonne
R. Becker
Noch einmal jauchzet Sonnenschein
hin über goldglühende Bäume,
noch einmal spinnet die Welt sich ein
in lebensdurstige Träume.
Noch einmal will der sterbende Wald
ans Herz sich drücken die Sonne,
er locket mit Farben tausendfalt
voll brennender Lebenswonne.
Mit wonneseliger Liebesscham
die zitternden Bäume sich färben;
süßschauernde Sehnsucht über sie kam,
im Kuss der Sonne zu sterben.
Sie sterben selig, sie sterben im Kuss,
in lustverlangendem Beben.
Wenn morgen die Welt verbleichen muss,
heut' jauchzt sie strahlendes Leben!