Am Ufer des Shannon
Ludwig van Beethoven
Am Ufer des Shannon rief matt und in Leide
Ein armer Verliebter: "Wie träg' rinnt die Flut!
Sturm droht dort die Wolke, mein Dach ist die Weide,
Wie Blei drückt die Luft, und kein Hauch kühlt die Glut!
Geh! Biene, such Honig, wo Blumen dir schillern,
Hier sind keine Rosen, du lästiger Gast!
Still, Nachtigall! Still mit den klagenden Trillern,
Wie ist in der Seele dein Ton mir verhaβt!"
Doch sieh! Da naht schelmisch, mit lächelnder Wange
In blendender Schöne ein Mägdelein sich;
"O Ellen!" rief er, "wo bliebst du so lange,
Mein Herz, meine Ellen, wie bangt' ich um dich!"
Und feierlich rauschten vom Shannon die Wogen,
Gar selig das Summen der Biene erklang,
Am Himmel erglänzte ein Regenbogen
Und o! wie entzückend die Nachtigall sang!