An die Amsel

Ludwig van Beethoven

O Sängerin aus Himmelshöhn,

Kein Waldlied tönt wie deins so schön;

Kein Frühlied singt der Ermit,

Das fromm wie deins zum Himmel zieht.

Dein glänzend schwarzer Fittich hält

Dich Fern dem Späherblick der Welt,

Gleich wie da Dach, das rings dich deckt,

Wo du im Schatten singst versteckt.

War je ein hermelinen Kleid

So warm wohl wie dein Samtgeschmeid'!

Dein Aug'so hell, dein Busch so steil,

Dein Schnabel, ein Korallenpfeil,

Sind minder süß doch als dein Sang,

Der schmelzend tönt von Hang zu Hang.

Dein weiches Lied entzückt das Ohr

Der Holden, der ich Treue schwor.

Verwandt bist du dem Sängertum.

Sei denn dein Lied mein Stolz und Ruhm,

Dein Lobgesang mein höchstes Glück,

Mein frohstes Lied dein Name schmück'!

Noch künftig Liebenden se kund

Dein Ruhm, mit Liebreiz hold im Bund,

Und wenn dein Klang den Hain durchstrich,

Nennt man "der Liebe Vogel" dich!