An die Hoffnung

Beethoven, Ludwig van

Ob ein Gott sei? Ob er einst erfülle,

Was die Sehnsucht weinend sich verspricht?

Ob, vor irgendeinem Weltgericht,

Sich dies rätselhafte Sein enthülle?

Hoffen soll der Mensch! Er frage nicht!

Die du so gern in heil'gen Nächten feierst

Und sanft und weich den Gram verschleierst,

Der eine zarte Seele quält,

O Hoffnung! Laß, durch dich empor gehoben,

Den Dulder ahnen, daß dort oben

Ein Engel seine Tränen zählt!

Wenn, längst verhallt, geliebte Stimmen schweigen;

Wenn unter ausgestorb'nen Zweigen

Verödet die Erinn'rung sitzt:

Dann nahe dich, wo dein Verlaßner trauert

Und, von der Mitternacht umschauert,

Sich auf versunk'ne Urnen stützt.

Und blickt er auf, das Schicksal anzuklagen,

Wenn scheidend über seinen Tagen

Die letzten Strahlen untergehn:

Dann laß' ihn um den Rand des Erdentraumes

Das Leuchten eines Wolkensaumes

Von einer nahen Sonne seh'n!