Das alte Lied

Ludwig van Beethoven

O süsser Heimathstrand des Dee,

- wie oft beschwört die Phantasie

mir dein versunk'nes Paradies,

das ich um Leid vertauscht wie dies!

Treu folgt' ich Tom zu Kampf und

Sieg,

doch o wie grauenvoll ist Krieg!

Tom's Kirchgruss -

sein bewusst Erglüh'n,

Sein früh und spät um mich sich Müh'n,

Des Sommerabends Stelldichein,

Der Abschiedsktüsse süsse Pein, -

O Zeit, die hold mit

Tom verstrich,

Zu hold, zu Währen ewiglich!

Nun halten kurze Zwiesprach wir;

"Komm" ruft er, "Frau! Was zagst du mir?

Rauh ist der Pfad - doch mag es sein,

Komm Frau, und schleich nicht hinterdrein!"

Und flink muss und mit frohem Blick

die arme Frau durch Dünn und

Dick.

Doch Lieb', ich weiss es, heilt und pflegt

Die Wunden, die uns Liebe schlägt;

Und Tom - mir kann ein einz'ger Blick

Fortlächeln all mein Missgeschick!

O süsser Strand der Heimat - nein,

Ich darf nicht - will nicht denken dein!