Das Blutbad von Glencoe

Ludwig van Beethoven

O Harfner, sprich, was bebt dein Sang

Mit dumpfem, düstern Trauerklang

Die Wildnis von Glencoe entlang,

Wo ihn belauschen mag kein Ohr?

Singst du den Nebeln auf der Flucht?

Dem Schwarzwild, äugelnd von der Bucht?

Singst du dem Aar, der aus der Schlucht

Zu deinem Tonspiel kreischt den Chor?

Nicht ihnen, fern ja von Gefahr!

Ihr Berghaupt hat die Nebelschar,

Der Hirsch die Schlucht, sein Nest der Aar,

Verstecke tiefer Sicherheit;

Doch sie, um die mein Tonspiel klagt,

Hat nicht der Fels, wie öd er ragt,

Nicht Wald, noch Schlucht, wo nie es tagt,

Geschirmt vor Falsch und Grausamkeit.

Die Hand, die zugelangt beim Mahl,

Zog mitternachts den Mörderstahl

Und gab zum Lohne Todesqual

Dem Wirt für milde Gastlichkeit,

Der Herd, der tags gewärmt die Hand,

Bewehrte nachts sie mit dem Brand,

Der, wild auflodernd, Deck' und Wand

Der grausigen Vernichtung weiht'!

Mein bester Sang ist längst verhallt,

Der Saiten Rest tönt matt und kalt,

Erloschnen Blicks im Felsenspalt

Wehklag' ich einsam früh und spät.

Wär' jedes graue Haar ein Strang,

Verwünschung spräche jeder Klang,

Bis Schottland auferstünd' im Sang:

"Rache für Blut und Missetat!"