Das Hirtenmädchen
Ludwig van Beethoven
Ich neide nicht den stolzen Schein,
Der Watkyns Hallen füllt mit Glanz;
Begehre nicht den Edelstein,
Der Wintleys Lady schmückt zum Tanz.
Ein Band nur ist's, war mir behagt,
Das Sonntag schmückte mein Gewand,
Das ungesehn ich küßt' und sagt':
"Von Wrexhams Markt, von Owens Hand!"
Auf Owens Treue möcht'ich baun,
Und Liebe atmet, was er spricht,
O könnt' ich klar ins Herz ihm schaun,
Denn blind vertrauen darf ich nicht.
Du schiedest gestern, Freund, im Schmerz,
Ich sah dich an... der Mond schien grell -,
Ich weiß nicht, ob mein arglos Herz
Gehofft zuviel, gehofft zu schnell.
O Mädchenbrust, die zweifelnd bricht!
Ihr Seufzer steig', die Träne flieh'.
Doch selbst den Waldesschatten nicht
Darf künden ihr Geheimnis sie.
Ob wohl sein sanftes Mienenspiel,
Sein leises Flüstern Liebe sind?
Ach, meint er nichts? Ach, meint er viel?
Mich Ärmste macht die Liebe blind!
Als ich mit ihm zum Tanze schritt,
Mir war's, als schwebte durch den Raum
Beseelter, feuriger sein Tritt...
O war es Wahrheit oder Traum?
Zum Markte will er heute gehen,
Und jauchzend ziehen alle fort...
O möchte'an einem Band ich sehn,
Er dacht'an eine, die nicht dort.