Das Islamägdlein
Ludwig van Beethoven
O Islamägdlein, die du kühn
Vom Fels in Wolk' und Woge schaust,
Siehst deinen Nachen dort du fliehn,
Vom Ozean so wild umbraust?
Er kämpft mit Schaum und Wellenwut,
Dem Sturm entgegen, wie gebannt!
Woher zu solchem Streit der Mut?
Er sucht sein liebes Heimatland!
Merkt Mägdlein auf der Möwe Flug,
Die weiße Schwinge glänzt wie Schnee,
Die sie durch Sturm und Nebel trug
Zur schwarz umflorten Klippenhöh'.
Warum, vorbei dem sichern Schiff,
Flieht sie zum wellumtosten Strand,
Zum kalten, sturmgespalten Riff?
Ach Maid, es ist ihr Heimatland!
Du Islamägdlein, feindlich mir,
Wie deinem Nachen Sturm und Flut,
Kalt wie dies Felsenriff, wo hier
Der Möwe müder Flügel ruht!
Ob hart wie Fels, wie Woge kalt,
Zu dir ich doch mich wieder fand:
In deiner Gunst, im Grab sonst bald
Find' ich mein liebes Heimatland!