Der Abend
Ludwig van Beethoven
Die Sonne sinkt in's Ettrick-Tal
an Weirdlaws hainumkränzter Höh',
der Westhauch flüstert mit dem Strahl,
zu meinen Füssen schläft der See.
Doch nicht entzückt mich wie zuvor
der Landschaft glanzerfüllte Pracht,
wenn auch im reichsten Farbenflor
auf Ettrick's Strand der Abend lacht.
Kalt bleibt mein Blick, wo grün umlaubt
die Tweed in feuchtem Silber prangt,
auf hoher Trümmer stolzem Haupt
Melrose's heil'ge Fahne schwankt.
Der stille See, die Balsamluft,
der Berg, der Strom, die Burg, der Baum,
hat sich's verwandelt?
oder ruft mein Ich: verschwunden ist der Traum?
Ach, ein zerrissen Pergament
nimmt nicht des Künstlers Farben an,
und dem gebrochnen Instrument
kein Bard' ein Lied entlocken kann!
Ein wundes Auge sieht nur Nacht,
dem Kranken haucht kein Zephyr lau,
ach, ihm ist Edens Sonnenpracht
wie dieser Heidehügel rauh!