Der Bardengeist

Beethoven, Ludwig van

Dort auf dem hohen Felsen sang

Ein alter Bardengeist;

Es tönt wie Äolsharfenklang

Im bangen schweren Trauersang,

Der mir das Herz zerreißt.

Und wie vom Berge zart und lind

In's süße Blumenland

Kastalia's heil'ge Quelle rinnt:

So wallt und rauscht im Morgenwind

Das silberne Gewand.

Nur leise rauscht sein Lied dahin

Beim grauen Dämmerschein,

Und zu den hellen Sternen hin

Entschwebt sein Herz, sein tiefer Sinn

In süßen Träumerei'n.

Und still ergriff mich mehr und mehr

Sein wunderbares Lied.

Was siehst du, Geist, so bang und schwer?

Was suchst du dort im Sternenheer?

Wie dir die Seele zieht!

,, Ich suche wohl, nicht find' ich mehr,

Ach, die Vergangenheit!

Ich sehe wohl so bang und schwer,

Ich suche dort im Sternenheer

Der Deutschen gold'ne Zeit.

,, Hinunter ging die Sonne schon,

Kaum blieb ein Wiederschein;

Mit Arglist und mit frechem Hohn

Pflanzt nun die düstre Nacht den Mohn

Um's Grab der Väter ein.

,, Ja, herrlich, unerschüttert, kühn

Stand einst der Deutsche da;

Ach, über schwanke Trümmer zieh'n

Verhängnissvolle Sterne hin!

Es war Teutonia!``

Noch auf dem hohen Felsen sang

Der alte Bardengeist.

Es tönt wie Äolsharfenklang

Ein banger schwerer Trauersang,

Der mir das Herz zerreißt.