Der Knabe vom See

Ludwig van Beethoven

Im Hüttchen, das sicher am Felsen dort ruht

Und nahe den Muscheln, begrenzend die Flut,

Barg fünf kleine Knaben ein zärtliches Paar,

Bei dem keine Rinde zum Beißen oft war.

Meist gingen in Sommerglut barhaupt sie aus

Und barfuß, wenn Schneefall bedeckte ihr Haus.

Doch wuchsen heran sie trotz Hitze und Schnee,

Und einer der fünf ist mein Knabe vom See.

Daß andre ihn liebten, war einst meine Qual,

Und jeglicher Tag hat vermehrt ihre Zahl;

Kein Mädchen, das jäh nicht sein Anblick entzückt,

Sein Anstand bezaubert, sein Lächeln berückt,

Und was an ihm doppelt entzückt und besticht,

Sein liebreiches Innre verrät sein Gesicht:

Beim Kirchgang, zum Markt und zur Kirchweih... war je

Ein zweiter wie Hywel, mein Knabe vom See?

Mein Vater... kaum trägt einen bessern die Welt,

Nur hält er ein wenig zu sehr auf sein Geld -,

Er schwur mir, bestimmte mich Laune allein,

So sollte enterbt und verstoßen ich sein.

Ich sagte: "Mein Lieb'hat Gesundheit zwar nur,

Doch Reichtum ist solches dem Kind der Natur;

Und hätt'ich zwölf Herzen, sie brächen vor Weh,

Blieb' ewig versagt mir mein Knabe vom See!"

Nun hört, wie ein Ziel meinem Gram ward gesetzt,

Und selber mein Vater bekehrt ward zuletzt;

's war jüngst, als er ausglitt beim Eintritt ins Boot,

Blitzschnell sprang mein Hywel ihm bei in der Not.

Froh hat er, mich küssend, auf ihn gesehn.

"Ich wünschte", so sprach er, "mir Enkel wie den!

Sei glücklich, mein Kind, sei sein Weib, ich gesteh',

Ob arm, doch ein Schatz ist dein Knabe vom See."