Der Liebende

Beethoven, Ludwig van

Welch ein wunderbares Leben,

Ein Gemisch von Schmerz und Lust,

Welch ein nie gefühltes Beben

Waltet jetzt in meiner Brust!

Herz, mein Herz, was soll dies Pochen?

Deine Ruh' ist unterbrochen;

Sprich, was ist mit dir gescheh'n?

So hab' ich dich nie geseh'n!

Hat dich nicht die Götterblume

Mit dem Hauch der Lieb' entglüht,

Sie, die in dem Heiligtume

Reiner Unschuld aufgeblüht?

Ja, die schöne Himmelsblüte

Mit dem Zauberblick voll Güte

Hält mit einem Band mich fest,

Das sich nicht zerreissen lässt!

Oft will ich die Teure fliehen;

Tränen zittern dann im Blick,

Und der Liebe Geister ziehen

Auf der Stelle mich zurück.

Denn ihr pocht mit heissen Schlägen

Ewig dieses Herz entgegen,

Aber ach, sie fühlt es nicht,

Was mein Herz im Auge spricht!