Der Morgenwind umspielt mein Haar

Ludwig van Beethoven

Der Morgenwind umspielt mein Haar,

Und auf den Bergesspitzen

Seh' ich die Sonne silberklar

Durch graue Nebel blitzen.

Horch! Die Lerchen singen,

Muntre Hasen springen,

Und übers Moor, auf früher Bahn,

Ziehn wilder Enten Schwingen.

An jedem Weißdorn perlt der Tau,

In jedem Pflanzetriebe

Erblüht uns süße Wunderschau,

Gehen wir den Pfad der Liebe.

Schon auf Traumes Wellen

Schimmern Noras Schwellen,

Zu streicheln wähn' ich schon den Hund,

der mich begrüßt mit Bellen.

Wie langsam weicht der Riegel fort,

Mein Herz beginnt zu zittern,

Die böse Tante lauert dort,

Die Lust mir zu verbittern.

Pfui! Was sollt' ich beben?

Eine steht daneben,

Die um so sanfter auf mich blickt

Und freundlich will vergeben.

Ach, jeder rasche Sprung von hier

Und jeder Stunde Schlagen

Muß über Berg und Tal zu ihr

Mich immer näher tragen.

Tages Licht wird greller,

Schneller geht's und schneller,

Und wenn mein Herz an Nora denkt

Erglüht mein Antlitz heller.