Der Traum
Ludwig van Beethoven
Gestern Nacht, als mein armes, gefoltertes Herz
Seiner Sinne beraubt lag, vergessend den Schmerz,
Blieb die Glut, die des Wachenden Seele verwirrt,
Mir wach noch im Traum, wo sie schrankenlos irrt;
Mir war's als ob endlich besiegt und gerührt
Von der Qual meiner Seele sie Mitleid verspürt:
Und bald am Altar mir zur Seit' ich sia sah,
Wo dem Priester ich freudig erwidert' mein "Ja".
Ich harrt' ihrer Antwort, beseligt und bang,
Als, Tod meiner Hoffnung, die Frühglocke klang:
Ich fuhr aus dem Schlaf, und, o Grausen! Ich fand,
Daß ein Traum es gewesen, der boshaft entschwand.