Der wandernde Barde
Ludwig van Beethoven
"Mein Haupt ist gebeugt,
Und mein Auge ist feucht,
Doch um Mitleid nicht wandr' ich
Durch Regen und Nacht;
Wär' es Armut und Not --
Was gilt Wein mir und Brot?
's ist im Herzen die Schmach,
Die so elend mich macht!"
Dein Haupt ist gebeugt,
Und dein Auge ist feucht,
Doch was wehrst du dem Mitleid
In Regen und Nacht?
Wär' es Armut und Not:
Labte Wein dich und Brot,
Doch was ist die Schmach,
Die so elend dich macht?
"Oh, wenn traurig und bang'
Mein ersterbender Sang
Im Taumel der Lust
Dir begegnet mit Graus:
Ruf verlorenes Glück,
Ruf die Heimat zurück,
Und weine am Herzen
Des Vaters dich aus."
Echt irischen Klangs
War der Ton seines Sangs,
Willkommen denn Sänger,
Willkommen auch Lied!
Was beschwörst du zurück,
Du verlorenes Glück,
Und was ist's mit der Maid,
Die vom Vaterhaus schied?
"Hast von frieden gewuβt
Du im Strudel der Lust?
O denk, Eveline,
Wie elend ich bin!
Wankt fort noch ihr Knie,
Bis mein Kuβ ihr verzieh,
Laβt mich liebend sie segnen
Und sinken dahin!"
O halt ein mit dem Sang,
Schon zu lang, schon zu lang
Schwand sie dahin,
An Vergebung verzweifelnd für sich;
Sie sank nieder vor Scham,
Als dein Wort sie vernahm,
Und sie lebt, wenn sie lebt,
Nur für Tugend und dich.