Dermot und Shelah
Ludwig van Beethoven
Wer sitzt hier und seufzt so bekümmerten Sinns?
"Ach ich" rief jung Dermot, "ich Armer bin's,
Wohl unter der Weide. Der Weide so grün;
Mein Liebchen verließ mich zu bitterer Pein,
So kam ich hierher, und zu sterben allein;
Der Liebe, ihr Sklav' einst, schwur heute sich ab,
Ich winde ein Kränzchen, zu decken mein Grab
Wohl unter der Weide, der Weide so grün."
Du sprichst, eine Treulose nahm dir die Ruh?
Und hier steht ein Mägdlein, verraten wie du,
Wohl unter der Weide, der Weide so grün.
"O laß mich in Trauer dir sitzen zur Seit',
Dein Elend zu lindern, zu teilen dein Leid;
Deinem Gram laß ein seufzendes Echo mich sein,
Zu traurig, du weißt es, ist Sterben allein
Wohl unter der Weide, der Weide so grün."
Da haben die beiden zusammen geweint,
Entschlossen, in Trauer zu sterben vereint
Wohl unter der Weide, der Weide so grün.
Doch er war so gut, und so schön war die Maid,
Daß auf einmal vergessen war Kummer und Leid;
Weil beiden die Welt noch ein Weilchen gefiel,
Verschoben den Tod sie und trieben ihr Spiel
Wohl unter der Weide, der Weide so grün.