Die Wahrsagerin
Ludwig van Beethoven
Ein wanderndes Zigeunerkind
Komm ich, ihr Herrn, von Norwoods Au'n,
Wo klagend oft um Frost und Wind
Manch Seufzen steigt und Tränen taun.
Kein Prunkgemach, kein köstlich Kleid
Erglänzt in unsern dürft'gen Haus;
Kein Daunenbett, kein Feuerscheit
Treibt nachts die Kälteschauer aus.
Dort kommt kein Freund uns zu Gesicht,
Rotkehlchen findet uns allein,
Sein alles uns, ein Liedchen schlicht,
Beim Früh- und Abendrot zu weihn.
Doch wahrzusagen, kam ich her,
Drum, lieber Herr, reicht mir die Hand:
Hier liegen Schätze zentnerschwer
Und, Himmel, welch ein Haufen Land!
Solch Gut in jeder Linie hier
Muß sicherlich Euch, Herr, erbaun;
Nun bitte, seht, ob auch bei mir
Ein kleiner Schatz sich lässt erschaun.
Der helle, liebe Sonnenschein,
Der golden Schloß und Hütte malt,
Büßt nie den holden Schimmer ein,
Der arme Pilger warm umstrahlt.