Erinnerung
Ludwig van Beethoven
Wenn fern wir vom Haus unsrer Jugend geschweift,
Wie ist uns der Vorzeit Erinnerung so lieb;
Ihr Bild hat kein Wechsel der Zeiten gestreift,
Wohin auch das Schicksal uns Trieb.
Der Züge gedenk'ich, die teuer mir sind,
Der scheidende Freund drückt mir wieder die Hand,
Zurück schwebt der Platz, wo gespielt ich als Kind,
Und Sang, den entzückt ich empfand.
Oft bringt mir sein Wohllaut ein Traumbild im Schlaf,
"Ein Weilchen verzieh!" ruf'ich flehend im zu;
Doch leise verzittert der Ton, der mich traf,
Und stirbt beim Erwachen im Nu.
O trauriger Wechsel - einst weint' ich im Traum,
Erst morgens zur Hoffnung und Freude erwach,
Jetzt schmilz mir am Morgen die Hoffnung zu Schaum,
Und Glück ist ein Traumbild der Nacht.
O Schlaf, wie entzückt uns dein magisches Spiel,
Dein Flug ist mehr rasch als Gedanken der Brust;
Es schwingt sich zurück übers Zeitmeer dein Kiel,
Und bringt uns entschwundene Lust.
Kehrt Hoffnung auch nimmer im Morgenrotstrahl,
Muß lang ich durch Wüsten des Lebens auch ziehn,
O laß zu den Bildern im heimischen Tal
Im Traum noch durch Zauber mich fliehn.