Freund, Gattin und Kind

Ludwig van Beethoven

Als die Götter das schwarze Verhängnis befohlen

Des Schicksals, dem Sterbliche untertan sind,

Scob ein gütiger Gott jenen Übeln verstohlen

Drei Segnungen unter: Freeund, Gattin und Kind.

Vergebens schwur Pluto, er wäre betrogen,

Weil göttliche Macht ihre Grenze jetzt find',

Entfernt sei die Schranke, den Menschen gezogen,

Denn Erde zum Himmel macht Freund, Weib und Kind.

Auf hohem Kamele die Wüste durchschwankend,

Wie süß ihn Arabiens Gewürzhauch umrinnt,

Denkt doch der Kaufmann des Efeus, umrankend

Das Haus, wo er saß mit Freund, Gattin und Kind.

Der Lenz unsres Lebens, verschont noch von Sorgen,

Entzückt durch sich selbst, da er froh sich verspinnt,

Doch Zwielicht des Alters ist trüb', wenn ihm borgen

Kein tröstendes Lächeln Freund, Gattin und Kind.

Als die Held, dessenn Ruhm nur verblüht mit der Sonne,

Der Länder und Kronen im Sturme gewinnt,

Er tauschte des Ruhm's ein Jahr tausend voll Wonne

Um ein Stündchen voll Glück mit freund, Gattin und Kind.

Der Seemann, umschäumt von des Abgrunds verderben,

Die blutige Flagge noch schwingend im Wind

Vergiesst eine Zäre, erinnernd im Sterben

Die fröliche Heimath, Freund, Gattin und Kind.

Der Odem des Ruhms mag erheischen und nähren

Die Lorbeern, die blutend sein Liebling gewinnt;

Mich decke die Weide, und lang mag sie währen,

Mit Tränen benetzt von Freund, Gattin und Kind,

Doch trinkt, eh' mein Lied sich zu ernsteren Tönen,

Zu Dingen versteigt, die zu heilig ihm sind;

Trinkt, schwört, es soll Liebe und Tugend verschönen

Den Becher, gefüllt auf Freund, Gattin und Kind.