Gesangesmacht

Ludwig van Beethoven

Gesangesmacht! Du schleichst dich ein,

Geheimnisvoll in jede Brust,

Entzückensschauer ihr zu weihn,

In ihr zu wecken sanfte Lust.

Gesang, du, der auf fremden strand

Des rauen Kriegers Busen rührt,

Zum Traum vom lieben Heimatland

Ihn sanft wie Kindesliebe führt.

Du, der die Stirn der Kinderschar

Mit Distel, Lauch und Kleeblatt krönt

Und stolz sie nicken lasst das Haar

Zum Takt des Lieds, das lüstig tönt.

Der Trost dem armen Mütterlein

Zum sauren Tagwerk haucht ins Ohr,

Dem Pflüger auf durchfurchtem Hain,

Dem Hirtenkind auf ödem Moor.

Dem Schäfer, dessen Herz verzagt

In hoffnungsloser Liebe glimmt,

Bis du so süß sein Weh beklagst,

Daß Leid in Seligkeit verschwimmt.

Gesangesmacht! Dank strömt dir zu

Von jedem Busen sanft und rein;

Laß Irlands, Englands Sänger du

Gleich Burns mit Geist gesegnet sein!